Die Demokratisierung der Überwachung

Der Autor dieser Zeilen ist geneigt, zu glauben, daß das Private (und sei es nur der nächtliche Spaziergang über den Marktplatz) frei von Observation bleiben sollte, solange nicht dringende Tatverdächtigungen polizeiliche Beobachtung rechtfertigen. Und in diesem Falle sollte die Maßnahme nach ihrer (zum Fahndungserfolg führenden oder eben auch nicht) Beendigung öffentlich dokumentiert werden, um die Beobachter auf diese Weise zur Rechtfertigung ihres Eingriffs zu zwingen.

Viele Leute sehen das nicht so. London ist berüchtigt als Hauptstadt der Videoüberwachung, in den USA finden sich Kameras in den Toilettenräumen von Supermärkten, und in auch Berlin werden einzelne Plätze sowie öffentliche Verkehrsmittel videoverwanzt.
Eine Angestellte in einem der besagten amerikanischen Supermärkte erklärte mir das Dilemma: Ja, natürlich sei es unwürdig, sich unter den Augen von Sicherheitspersonal durch die Bedürfnishallen zu bewegen. Andererseits - es sei unvorstellbar, was die Leute im Schutze der Anonymität vor der Installation der Überwachungstechnik in diesen Räumen getan und hinterlassen hätten.

Warum man Überwachung ablehnt, ist klar: zwielichtige, mir nicht rechenschaftspflichtige Individuen erhalten an zentraler Stelle Informationen über mich und andere, die sie dann für dunkle Zwecke verwenden können. Ich halte ja sogar sorgfältig gewählte und ausgeleuchtete Volksvertreter für korrupt - um wieviel weniger vermag ich anonymen, vielleicht sogar imbezilen Schergen zu trauen! - Andererseits führt soziale Segregation - der unaufhaltbare große Trend der Zeit - zusammen mit Anonymität zu den von der Verkäuferin beklagten Exzessen. Die Videokamera ersetzt gewissermaßen den aufmerksamen Blick der Großfamilienangehörigen, die uns in den Städten verlorengegangen sind. Big Brother ist immer für mich da.

Die Frage ist also möglicherweise nicht, ob man Überwachung ablehnt oder nicht, sondern wie man mit ihr umgeht. Der Deus-Ex-Programmierer Sheldon Pacotti argumentiert, daß wir allenfalls die Wahl zwischen einer offenen, für jedermann zugänglichen, und einer geheimen, durch mehr oder minder nebulöse Kanäle vorgenommenen Überwachung hätten. Dementsprechend sollte jede öffentliche Überwachungsmaßnahme gleichzeitig erfordern, daß der Inhalt der Überwachung sowie die daraus abstrahierten Daten public domain sind. Jede Kamera in der U-Bahn sei eine Web-Cam - Mama kann ihren scratchenden Sohn dann life beobachten und ihm die Hammelbeine lang ziehen, wenn er nach Hause kommt. Und ebenso im Bereich der Verwaltung und Wirtschaftskriminalität: Jede Akte, die nicht aus wichtigen und nachvollziehbaren Gründen geheim ist, muß öffentlich lesbar sein. Nicht irgendwann, sondern sofort, z.B. durch die Speicherung und Bearbeitung in allgemein zugänglichen Netzen. Akten öffentlicher Verwaltung ebenso wie die E-Mails und Bibliotheksausweise arabischer Studenten. Wir sind doch schließlich alle eine große Familie, oder?

Transparente Überwachung bedeutet leider nicht nur, daß die Dunkelmänner auf dunkle Weise mehr über uns wissen, als wir wollen, sondern es bedeutet, das alle mehr über uns wissen, als wir wollen. Natürlich ist es nicht schön, wenn der Geheimdienst und ein, zwei Großunternehmen sowie vielleicht ein Systemadministrator heimlich meine E-Mails abgreifen. Aber ist es besser, wenn alle, die das wollen, in meiner Inbox stöbern?

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