Der vortreffliche Gernhardt sagt...

Von den Geräten

Und der HErr sprach mit Gernhardt und sprach also zu ihm: Rede mit Deinen Leuten, aber schön ruhig, und sprich: Das sind die Gebote, die der HErr gibt für alles, was Knöpfe hat und Lärm erzeugt:
Ihr sollt bei der Aufstellung Eurer Hifi-Anlagen für eine gute Dämmung sorgen.
Ihr sollt nicht am Lautsprecher sparen, auf daß ihr eure Anlage schön leise stellen könnt.
Ihr sollt sie nie lauter aufdrehen, als ihr eure Stimme erheben könntet.
Ihr sollt keine Radios mit euch tragen, so ihr den Fuß aus dem Hause setzt.
Ihr sollt keinen Walkman in Bahnen und Zügen benutzen, denn siehe: Der Walkman ist ein Blendwerk des Satans, zu verwirren die Sinne des Menschen, auf daß er glaube, er könne seinen Kopf mit Musik vollknallen, ohne daß sein Nächster davon höre.
Ich aber sage Euch: Und ob der was mithört!
Du sollst nicht tönen.
Macht euch nicht selbst zum Greuel an dem kleinen Gerät, das wummert, zirpt und dudelt, und macht Euch nicht unrein an ihm, so daß ihr dadurch nicht unrein werdet.
Diese sollen euch in Bahnen und Bussen ebenfalls unrein sein unter den Piepsgeräten, welche Knöpfe haben udn die man in die Tasche stecken kann: das Computerspiel, das Handy und der Laptop. Denn alles, was ihr Pieps beschallt, das wird unrein. Und alles Gerät, das gepiepst hat, soll man ins Wasser tun, es ist unrein bis zum Abend und danach unbrauchbar. In euren Wohnungen aber sollen diese Geräte nicht unrein sein.

Ersatzleistungen
Entsteht durch Lärm ein dauernder Schaden, so sollst du geben Lärmen um Lärmen, Ohr um Ohr, Ton um Ton, Krach um Krach. Wer aber fortfährt zu lärmen, der soll des Todes sterben, und seine Lärmquelle soll man steinigen.
Das ist das Elfte Gebot, das der HErr dem Gernhardt gebot für alles Volk auf dem Feldberg.

Gehet nun hin und folget dem Worte des Gernhardt, und kauft seine Bücher.
Gregor Keuschnig - 8. Feb, 08:36

Mediale WCs

Die allmorgendliche Kakophonie bestehend aus Hip-Hop, dem WDR2-"Morgenmagazin", den Spielegeräuschen eines ca. 17jährigen Gameboy-Fetischisten, gelegentlich untermalt vom Gewumme eines "Rammstein"-Fans (der exakt so aussieht, wie man sich einen "Rammstein"-Fan vorstellt - man weicht also ein bisschen zur Seite und quält sich ein Lächeln ab, als er einem auf die Füsse tritt) beginnt schon an der Haltestelle, unter die man sich vor den Naturgewalten flüchtend, mit Rauchern und/oder alkoholisiert-duftenden Menschen noch zusätzlich zu umgeben hat.

Um dem Tiefgang evtl. Handy-Gespräche zu entgehen, bevorzuge ich die U-Bahn, welche sich grösstenteils unterirdisch bewegt. Leider scheint es inzwischen trotzdem Mobiltelefone (vermutlich der 4. Generation - also solche, die ich mir im Gegensatz zu einigen Schülern nicht leisten kann) zu geben, die hier Empfang haben und so erfahre ich nebenbei den neuesten Schulklatsch.

Später zu fahren ändert nur am Inhalt der Telefonate etwas - Chefs und andere Wichtigtuer kündigen ihr Erscheinen im Büro in wenigen Minuten an; eine Nachricht, auf die man am anderen Ende ganz sicher gewartet hat.

Die grösste Katastrophe ist, mit dem Zug zu verreisen. Selbst in den "Silence"-Zonen (der "Bahn" ist das deutsche Wort wohl irgendwann entfallen), wird unablässig verhandelt, getratscht oder auch geflirtet. Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass man so früh losfährt, dass die Büros noch nicht geöffnet haben; ab ungefähr 09.30 Uhr fallen alle Schranken.

(Ein hübscher Beitrag von 2002 von Ludger Lütkehaus findet sich hier [RTF-Dokument])

Man würde ja gerne Gernhardt kaufen - aber man kann sie leider nicht mehr überall in Ruhe lesen...

Gregor Keuschnig - 8. Feb, 13:13

@ gruber: Ich bin erschüttert ob Deiner offensichtlichen Mordlust

Aber ich habe vollstes Verständnis dafür.

Neueste Variationen gehen u. a. dahin, die Mobiltelefone als Radio oder MP3-Spieler auf höchste Lautstärke zu stellen und die ersten Reklamationen der anderen Fahrgäste grinsend entgegenzunehmen.
Orje (Gast) - 8. Feb, 10:31

Walkman in der BVG?
Wenn Du niemand störst, ok.

gruber - 8. Feb, 13:08

Mordlustig

Bevor ich im Zug oder in der Bahn einen Sitzplatz wähle, schaue ich nach, ob im Umkreis eines halben Wagens ein Kopfhörerträger sitzt. In neunzig Prozent aller Fälle leidet er an Schwerhörigkeit und Billig-Stöpseln, so daß widerliches rhytmisches Knispelfauchen aus seinen Ohren rinnt. Wenn man dann so einen Platz gefunden hat - zwei Waggons weiter - dann dauert es gewöhnlich nur wenige Minuten, bis sich die Tür öffnet und eine gewalttätig aussehende Hackfresse mit Ftschbrftschftschbrftsch-Geräuschquellen bewaffnet neben Dir Platz nimmt. Falls Du die höflich bittest, etwas leiser zu stellen, gibt es drei Möglichkeiten: von türkischen Jugendlichen wirst Du ignoriert, von Skins bekommst Du Kloppe angedroht, und der Rest reduziert die Lautstärke maulend um maximal zehn Prozent.
In Langstreckenzügen wird das gern von Müttern getoppt, die ihrem Nachwuchs plärrende Kassenrekorder mit heiserem Britney-Spears-Verschnitt-Geröchel zur Seite stellen.
Gregor Keuschnig - 9. Feb, 16:41

Gernhardt und die Karikaturen

In diesem Interview mit "tagesschau.de" vertritt Gernhardt durchaus die Zeitgeist-Meinung.

Der überaus häufig gebrauchte Einwand, die Demonstranten und Randalierer wüssten gar nicht, gegen was sie demonstrierten, mag stimmen. Ausgeblendet wird hierbei jedoch, dass auch in unserem Kulturkreis Menschen Urteile über Sachverhalte haben, die sie nur sehr bruchstückhaft oder gar nicht überblicken, sondern nur aus zweiter oder dritter Hand ihre Meinung gebildet haben.

Ein bisschen widersprüchlich wird er, als er, zunächst vehement die Meinungs- und Kunstfreiheit verteidigend, plötzlich auf die Frage nach der Grenze von Satire gefragt werdend, antwortet:

Eine einzige Grenze gibt es da, wo ich mich nicht auskenne. Ich wäre deshalb nie auf die Idee gekommen, eine Mohammed-Karikatur zu zeichnen, oder Witze über den jüdischen Gott zu machen.

Dies bedeutet: Man sollte Themen, über die man sich nicht auskennt, meiden. Demzufolge wären die Karikaturen entweder von Stümpern verfasst oder blosse Provokation - in jedem Fall jedoch ein "Grenzfall".

Wenigstens ist er am Ende konsequent. Obwohl es mir graust.

gruber - 10. Feb, 02:59

Gernhardt in der Tagesschau

Wenn Leute vortrefflich sind, heißt das ja nicht, daß man mit ihnen einer Meinung sein muß. Ich kenne auch sonst ganz großartige Menschen mit ganz gräßlichen Meinungen. Wenn jemand ein begabter Literaturverschnuckler und begnadeter Kritzelkrakler ist, macht ihn daß noch lange nicht zur Autorität über meinen auf meine eigene Art verbohrten Meinungshorizont.
Ich bin sogar sicher, daß es auch Mokassins gibt, aus denen heraus die Verdammung des Islam sinnvoll, moralisch und wünschenswert ist. Oder die Ablehnung der computationalen Theorie des Geistes. Oder die Ablehnung des Vegetarismus. Die Welt ist groß...
Gregor Keuschnig - 10. Feb, 08:21

Pardon

Mein Einwurf sollte auch nicht das literarische Werk Gernhardts und/oder die Rezeption des Lesers hierauf diskreditieren. Ich habe sogar Verständnis für seine Sicht, die sich m. E. durch seine Verbindungen zu "Pardon" und dann "Titanic" erklärt.

Ich stelle allerdings fest, dass grosse Teile der intellektuellen Elite in Deutschland Presse- und Meinungsfreiheit für etwas heranziehen, was diesen Schutzes m. E. nicht unbedingt würdig ist. Vielleicht entspringt mein Affekt auch nur dem Unbehagen scheinbar einfachen Mehrheitsmeinungen gegenüber.

Das letzte Mal hatte ich ein solches Unbehagen 1999, als fast ganz Deutschland es in einer merkwürdigen Kriegsbesoffenheit "den Serben" mal zeigen wollte und von Staat wegen gelogen und betrogen wurde, was das Zeug hergab.

Wenn man heute den Regierungen im Nahen Osten vorwirft, die Karikaturen politisch zu instrumentalisieren, stimmt dies natürlich. Diese Leute sollten aber gleichzeitig - oder besser: vorher - die tagtägliche Instrumentalisierung in unseren "Argumentationen" herausarbeiten. Journalisten, die dies tun, gibt es kaum noch. Leider fast nur noch Schafe, die in der Herde mitlaufen. Da ist es natürlich einfach, den Splitter im Auge des anderen zu sehen.

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