erasmus (Gast) - 10. Aug, 15:40

unaufgeregte diskussionen waren in diesem punkt noch nie möglich, das weiß im deutschsprachigen raum vor allem der zdj durch scharfe formulierungen zu verhindern. wer es nicht glauben will, sehe sich nocheinmal die aussagen des herrn verleger an - und die reaktionen des zdj. inhaltliche auseinandersetzung: fehlanzeige.
mit gaarder geht es schon wieder ganz ähnlich los. die dpa hat weitgehend sinnentstellend zitate für einen agenturtext aus dem kontext gerissen, der dann mit aussschließlich ablehnenden meinungsäußerungen über gaarder, vorneweg die antisemitismusdiagnose von mona levin, zu einer polemik montiert, die man bestenfalls noch als kampagnenjournalismus bezeichnen kann. inhaltliche auseinandersetzung: fehlanzeige. kein wort zu gebrochenen resolutionen, kriegsverbrechen gegen die zivilbevölkerung, beschuß von uno-posten und flüchtlingslagern, als habe gaarder nicht konkretisiert, was er mit schandtaten meint.
das ärgerliche daran ist das ungeheuerliche moralische scheitern des westens, der sich als nachhaltig unfähig erweist, schlußfolgerungen aus der shoa zu ziehen. deshalb steht die universalität der menschenrechte in zweifel, weil - da hat gaarder leider völlig recht - mit duldung der usa und europas palästinensische oder libanesische leben weniger wert sind als israelische. israel diskreditiert vor den augen der welt westliche werte, indem es sich vom westen unwidersprochen als unschuldiges opfer geriert, wo es schon längst zum (mit-)täter geworden ist.
langfristig wird diese heuchelei auch auf uns zurückfallen, und niemand wird sich entschuldigen können, er habe von all dem nichts gewußt.

stralau (Gast) - 10. Aug, 15:54

Der Streit um Herrn Verleger ist ein interner des Zentralrates. Wo sind die konkreten Fälle, in denen der Zentralrat der Juden erfolgreich Einfluß auf deutsche Presseveröffentlichungen genommen hätte?

Oder anders gesagt: was zeichnet den Zentralrat aus, daß wir (Nichtjuden) von ihm eine irgendwie geartete Stellungnahme zur israelischen Politik erwarten sollten?

Worauf ich hinauswill: ich empfinde es als sehr problematisch, die Juden als Religionsgemeinschaft für die Politik Israels verantwortlich zu machen.
Gregor Keuschnig - 10. Aug, 16:03

Sehr problematisch

Ich empfinde es als sehr problematisch, die Juden als Religionsgemeinschaft für die Politik Israels verantwortlich zu machen.
Das empfinde ich auch als problematisch. Aber umgekehrt sehe ich keine Reflexion beim Zentralrat, der eine dezidierte (besonnene) Position im Nahostkonflikt einnimmt. Will sagen: Der Zentralrat fragt nicht nach unserer (Nichtjuden) Erwartung zur Stellungnahme im Nahostkonflikt - er gibt sie ab, und zwar hier (und - ich vermute mal - freiwillig).

Der Einfluss auf die öffentliche Meinung geschieht (im Verhältnis zu der Anzahl der Menschen, die durch ihm repräsentiert werden) stets sehr prominent in den Medien (bspw. wichtige Nachrichtensendungen).

Michel Friedman (lange Zeit an prominenter Stelle dort) sprach neulich von einer deutschen Staatsräson, was das Existenzrecht Israels angeht. Eine solche Blankoerklärung ist vollkommener Unsinn; das müsste jemand wie Friedman sehr wohl wissen.
stralau (Gast) - 10. Aug, 16:14

Aber umgekehrt sehe ich keine Reflexion beim Zentralrat, der eine dezidierte (besonnene) Position im Nahostkonflikt einnimmt.
Ja, das ist schade. Aber die Haltung des Zentralrates zur israelischen Politik ist von ähnlicher Relevanz wie die der evangelischen Kirche oder die der SPD. Deswegen verstehe ich nicht, was dieser mit Gaarder zu tun hat.

Zur Überrepräsentation in den Medien: ja, stimmt. Aber ich halte die Überrepräsentation auch nicht für schlimmer als die der christlichen Kirchen, Gewerkschaften oder Unternehmerverbände.
Gregor Keuschnig - 10. Aug, 16:33

Relevanz

Wenn ich richtig unterrichtet bin, leben in Deutschland (leider nur noch) 100.000 Juden. Kirchen oder Gewerkschaften repräsentieren sehr viel mehr Menschen, d. h. sie vertreten eine viel grössere Anzahl. Den "normalen" Mediengesetzen zufolge sind ist die Meinung des Zentralrates überproportional oft zu vernehmen. Ich kritisiere das nicht (es ist natürlich begründet aus der Geschichte) - ich stelle es nur fest.

Vergleichbare Organisationen, die sehr viel mehr Mitglieder vertreten, wie beispielsweise der Zentralrat der Muslime (der allerdings kein Monopol hat), sind sehr viel weniger medial präsent.

Die Relevanz ist auch relativ hoch - ich habe in den letzten Jahren keinen noch so kleinen Widerspruch prominenter und seriöser Politiker oder Intellektueller zu Thesen des Zentralrats bemerkt; auch wenn diese gelegentlich reichlich alarmistisch schienen. Sehr häufig tritt er als das "moralische Gewissen" in gesellschaftspolitischen Fragen auf. Übrigens oft mit Berechtigung und Erfolg.

Mit Gaarder mag das vielleicht dahingehend zu tun haben, dass eine Diskussion seines Textes aufgrund eines stillschweigenden Konsenses in den Massenmedien hier kaum erfolgen wird.
stralau (Gast) - 10. Aug, 17:05

Damit, daß muslimische Organisationen unterrepräsentiert sind, hast Du leider recht.

Ansonsten findet eine Erwähnung des Textes durchaus statt (heute kurze Besprechung in FAZ und Taz gelesen) -- ob der geringe Umfang der Betrachtung wirklich auf den Einfluß des Zentralrates der Juden zurückgeht, ist schwierig entscheidbar. Ich bezweifle es.
erasmus (Gast) - 10. Aug, 17:24

der zdj bezieht regelmäßig mit pressemitteilungen stellung zur berichterstattung in den medien. kritik an israel - wie auch immer im einzelfall begründet - wird regelmäßig aufs schärfste verurteilt:

"Besonders hinterhältig, ja fast schon antisemitisch ist ein Kommentar im WDR von Jürgen Hanefeld, wo die legitime israelische Verteidigung nun zum angeblichen Überfall auf den friedfertigen Staat Libanon" umgedeutet wird.

so nachzulesen unter http://www.zentralratdjuden.de/de/article/1036.html

in der selben pressemitteilung heißt es:

"Antiisraelische Propaganda in deutschen Medien ist leider keine Seltenheit und verwundert angesichts der Vorlagen aus der Politik nicht", so Vizepräsident Dr. Dieter Graumann kritisch. „Die Äußerungen von Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) im heutigen Tagesspiegel und anderer SPD-Volksvertreter, wonach die Handlungen Israels schlicht „völkerrechtswidrig" seien, entspringen den üblichen antiisraelischen Reflexen gerade dieser Politikerin. Wieczoreks Äußerungen entbehren zudem auch jeder moralischen und inhaltlichen Grundlage", so Graumann."

ich bezweifle, daß irgendjemand eine stellungnahme des zdj erwartet. das tut der zdj schon aus eigenen stücken. in der regel wird in den überregionalen tageszeitungen am nächsten oder übernächsten tag entsprechend zitiert.
das problem ist daher nicht, daß "die juden" als religionsgemeinschaft für das handeln israels verantwortlich gemacht werden, sondern daß der zdj eine höchst einseitige sichtweise des nahostkonflikts in die medien transportiert und kritik an israel wie gerade exemplarisch gezeigt unangemessen schroff abkanzelt und in anspruch nimmt, dabei für alle juden zu sprechen. der streit um rolf verleger ist somit auch nicht ein streit innerhalb des zentralrates, sondern innerhalb der jüdischen gemeinschaft insgesamt, der endlich auch den zentralrat erreicht hat.
zur innerjüdischen kritik am zentralrat siehe z.b.
http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Aussenpolitik/zentralrat.html
gruber - 11. Aug, 06:20

Die Religion und Israel

Ich empfinde es als sehr problematisch, die Juden als Religionsgemeinschaft für die Politik Israels verantwortlich zu machen.

Gaarder macht nicht die Religionsgemeinschaft für die Politik verantwortlich, sondern umgekehrt: er verurteilt, daß sich die Politik auf der Religionsgemeinschaft aufbaut.

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