Make Tech

Freitag, 1. Dezember 2006

Subpixel-Antialiasing (Cleartype) selbst gemacht

Bekanntlich sehen die Schriften modernerer Betriebssysteme auf LCD-Bildschirmen deshalb so schick aus, weil an den Rändern der Lettern nicht nur Graustufen einfügt werden, sondern farbige Pixel, die darauf optimiert sind, die nebeneinander angeordneten Einzelpixel von Farbbildschirmen zur Auflösungsvergrößerung zu nutzen.

Man wünscht sich, Grafiken, Icons und Schriften im Bildverarbeitungsprogramm ähnlich hübsch und scharf skalieren zu können, aber leider bietet z.B. Photoshop von sich aus nichts dergleichen an. Natürlich kann man den Effekt auch selbst erzielen. Damit meine Experimente auch anderen nützen, erklär' ich, wie.

Vergleich normales Antialiasing (links) und Subpixel-Antialiasing (rechts)

Links sieht man normales Antialiasing, rechts Subpixel-Antialiasing. In der Vergrößerung läßt sich erkennen, wie Subpixel-Antialiasing die Anordnung der einzelnen Farbpixel, aus denen die Bildschirmfarben gemischt werden, ausnutzt.

Die einfachste Idee ist natürlich, für jedes der drei Sub-Pixel den normalen Grauwert zu bestimmen und zu setzen. Leider wird dabei auch die Farbigkeit der Konturen verändert, und unsere Grafik erhält einen deutlichen Farbsaum.

Deshalb muß der Grauwert der Sub-Pixel so auf die beiden farbigen Nachbarpixel verteilt werden, daß der Farbwert in der Summe neutral bleibt. Das geschieht z.B. durch einen horizontalen Weichzeichenfilter über drei Pixel (in Photoshop: Filter > Other > Custom > 111, Scale 3). Leider geht dadurch Information über die horizontale Position des Pixels verloren. Die Lösung? Wir wenden den Filter einfach ein zweites Mal an. Dadurch verteilt sich die ursprüngliche Pixel-Intensität nun nicht auf drei, sondern auf fünf Pixel, aber am stärksten auf das Mittelpixel. Die beiden schwächeren Randpixel auf jeder Seite wahren die Farbneutralität.

Um eine Pixelgrafik manuell zu subpixel-antialiasen, bedarf es also (in Photoshop) folgender Schritte:

1. Canvasgröße auf ein Vielfaches von Drei setzen, und darauf achten, daß rechts ein paar "Verschnittpixel" bleiben.

2. Zweimal den horizontalen Filter "Other > Custom" mit einer Einstellung von 1, 1, 1 und einer Skalierung von 3 ausführen.

3. Grafik zweimal kopieren, so daß insgesamt drei Layer entstehen. Den mittleren Layer nun ein Pixel nach rechts verschieben, den oberen zwei Pixel nach rechts.

4. Den obersten Layer auf seine Rot-Komponente reduzieren (z.B. im Curves-Dialog den Blau- und Grünanteil auf Null setzen).

5. Den mittleren Layer auf Grün reduzieren.

6. Den untersten Layer auf Blau reduzieren.

7. Nun den Blending-Mode der beiden oberen Layer auf "Lighten" setzen. Dadurch werden die Farbanteile aller drei Layer addiert.

8. Layer zusammenführen (merge) und den Filter "Pixelate > Mosaic" mit einer Einstellung von 3 ausführen.

9. Das Bild ist nun fertig. Mit Einstellung "nearest neighbor" auf ein Drittel der Größe skalieren (durch Pixel-Eingabe, 33,333% ist in Photoshop manchmal nicht genau genug), farbige Ränder abschneiden, abspeichern.

Caveat: Die dargestellten Einstellungen funktioneren nur auf Displays mit RGB-Anordnung gut. Einige Panels haben BGR-Anordnungen, sind hochkant oder sonstwie exotisch - hier schaut das Resultat enschieden schlechter aus als normales Antialiasing. Röhrendisplays nehmen eine Mittelstellung ein (sie haben meist keine Subpixel), da unsere Methode ja zum Glück farbneutral ist.

Optimierungen: Das Ergebnis sieht knackiger aus, wenn man ein paar Farbsäume in Kauf nimmt. Dazu kann man z.B. den Custom-Filter mit einem einzigen Durchlauf und einer Einstellung wie 3, 7, 3 (Skalierung 13) benutzen. Die wahrgenommene Farbigkeit hängt auch von den Liniendicken in der Grafik ab, weil die beeinflußt, welche Subpixel regelmäßig an- und ausgeschaltet werden. Experimentieren hilft...

Freitag, 16. Juni 2006

Das Postwikipediale Zeitalter

Jaron Lanier lieferte gerade eine höchst interessante Argumentation in Edge, in der er kollaborative Intelligenz als digitalen Maoismus verdammt (deutsche Übersetzung). Wikipedia ist ihm das beste Beispiel, wo ein Grüppchen zäher Gnome damit beschäftigt ist, Laniers Versuche, Fehler aus seiner Biographie zu bekommen, zu reverten. Wikipedia organisiert intellektuelle Mediokritizität auf höherem Niveau, und gleichzeitig entkleidet der allgemeine Run ins Meta das kulturelle Schaffen der Originalität: die kollaborativen Internetbeschauer Reddit, Digg etc. sind bloße Aggregatoren, denen die Trennung der Spreu vom Weizen nicht gelingen mag; ein Durchbruch in der Behandlung von Diabetes entgeht der Aufmerksamkeit der Hive Minds zugunsten eines Eiskremverzehrrekords. Kann das Prinzip von "Deutschland sucht den Superstar", die Durchschnittsbildung über die Meinung einer Zielgruppe, tatsächlich individuelle Kreativität ersetzen? Daß John Lennon, Elvis oder Bob Dylan es zum "American Idol" (der amerikanischen Version von DSDS) gebracht hätten, darf Lanier mit Recht bezweifeln. Steht uns mit der Machtübernahme der Hiveminds eine Borg-Revolution ins Haus, die Individualität, Qualität und kulturellen Avantgardismus unter ihrem eisernen Stiefel zertritt?

Offenbar liegt Lanier falsch, wenn er Wikipedia und Digg in denselben Topf wirft: Wikipedia produziert Inhalte, Digg bewertet sie. Es gibt Anzeichen dafür, daß die Zukunft kollaborativer Intelligenz davon abhängt, wie es gelingt, beides in einer Plattform zu verbinden. Und daß die ungewichtete und undifferenzierte Durchschnittsbildung über das Publikumsinteresse nicht den letzten Schluß in der Entwicklung kollaborativer Evaluation darstellt, ist naheliegend. Die Wikis, Foren und Aggregatoren sind lediglich die ersten, unvollkommenen Bausteine auf dem Weg zum kollaborativen Meta-Cortex.

...there are things wrong with RSS aggregators, ranking algorithms, group editing tools, and voting, things we should identify and try to fix. But the things wrong with voting aren't wrong with editing tools, and the things wrong with ranking algorithms aren't wrong with aggregators. (Clay Shirky)
...while the 2006 Wikipedia process may not be the best way to make a textbook, or create the encyclopedia of all species, or dispense the news, the 2056 Wikipedia process, with far more design in it, may be. (Kevin Kelly)

Digitaler Antikommunismus

Trotzdem trat Laniers Beitrag eine mittlere Lawine los; Edge hat die Argumentationen von einigen der Größen des vernetzten Zeitalters dokumentiert. Die Antworten auf Lanier sind brillant, nebenbei bemerkt aber fast durchweg von einer Aufregung getragen, in der ein unreflektierter antikommunistischer Grundkonsens durchschimmert, und der ein sofortiges Bekenntnis vor dem Komittee für Anti-Web-2.0-Aktivitäten zu erfordern scheint: Ja, wir fokussieren auf das Individuum, ja, wir befördern keine anonyme Masse, sondern die Bildung von Kontakten zwischen Einzelnen, wir wollen keine Regierung durch irgendeinen Hive-Mind. Wo wir unsere Hoffnung in die Fähigkeiten kollaborativer emergenter Aktivität setzen, handelt es sich nicht um Kollektivismus, sondern entweder um erweiterte Befähigung des Individuums, oder etwas völlig Neues. Einig sind sie sich in der Ablehnung des Kollektivismus, nicht jedoch in seiner Definition: für die einen droht Kollektivismus mit der Verschüttung der Fähigkeit Einzelnen unter der Mediokrizität von Kommissionsentscheidungen, für den anderen die Herrschaft von der Mehrheit der Dummen über die wenigen Klugen, und für den dritten die Ausübung von zentraler Kontrolle und gewaltsamer Unterdrückung.

Take Google's algorithm. ... Anyone who claims that they have found transcendent wisdom in the pattern emerging from how people spend their scarce resources is a follower of Milton Friedman, not of Chairman Mao. (Yochai Benkler)

Die Frage, was die Relation zwischen Hive-Mind, Kollektiv und Individuum tatsächlich ausmacht, wird in der Edge-Diskussion aber nur von Larry Sanger direkt berührt: bedeutet die Implementation eines kollaborativen Entscheidungsprozesses, daß eine Mehrheit den Experten überstimmt, und wenn ja, liegt die Mehrheit dann richtig? Für Sanger ist die Antwort klar. Fähigkeit ist das Kennzeichen einer (in Fluktuation befindlichen), aus distinkten Individuen bestehenden Elite, deren Herausbildung und Durchsetzung durch Voting- und Aggregationsmechanismen nicht behindert werden darf.

It's not _quite_ right to say the "collectivists" believe that the collective is all-wise. Rather, they don't really care about getting it right as much as they care about equality. (Larry Sanger)

Die Sensibilität der Massen

Sanger hat gewichtige Argumente auf seiner Seite: autoritative Individuen rechtfertigen ihre Aussagen in der Auseinandersetzung notwendigerweise mit epistemologischen Positiva, wie Wahrheit, Wissen, Rechtfertigung, Evidenz. Epistemischer Kollektivismus bedarf dessen nicht - es genügt, auf das Vorliegen einer Mehrheitsannahme zu verweisen, und natürlich können Mehrheiten leicht irren (eben weil sie im Zweifelsfalle auch ohne argumentative Rechtfertigung auskommen).

What's great about it [Wikipedia] is not that it produces an averaged view ... that is somehow better than an authoritative statement by people who actually know the subject. ... What's great about Wikipedia is the fact that it is a way to organize enormous amounts of labor for a single intellectual purpose. The virtue of strong collaboration, as demonstrated by projects like Wikipedia, is that it represents a new kind of "industrial revolution," where what is reorganized is not techne but instead mental effort. It's the sheer efficiency of strongly collaborative systems that is so great, not their ability to produce The Truth. Just how to eke The Truth out of such a strongly collaborative system is an unsolved, and largely unaddressed, problem. (Larry Sanger)

Andererseits ermöglicht starke Kollaboration (Sanger) eine neue Ebene der intellektuellen Produktivität - interaktive, fluktuierende Gruppen können in Jahren Werke vollbringen, zu deren Vollendung kommunizierende Autoritäten einst Jahrhunderte benötigten. Um die Resultate dieser Gruppen jedoch besser zu machen als die der Autoritäten, muß die Verpflichtung auf epistemische Positiva in der Gruppenaktivität verankert werden - die Interaktion benötigt Strukturen und Filter, über denen dann etwas emergiert, das sowohl über die Kapazität aller einzelnen Autoritäten und das Geschnatter der Massen hinausgeht. Und warum sollte das nicht funktionieren? Was wir suchen, sind Mechanismen und Strukturen, die das Resultat weder auf gleichgewichtete Mehrheitsmeinungen noch die lokalen und Einzelprobleme reduzierten Fähigkeiten der Experten festlegt, sondern etwas, das die intellektuellen und ästhetischen Fähigkeiten der beteiligten Individuen zu etwas Neuem, über alle Einzelnen hinausgehenden zusammenfügt.

Die Erlösung von der Kretinisierung durch den Einzelgeist

Sowohl Lanier wie seinen Widerparts scheint der Gedanke, daß die Massen prinzipiell dumm, der Einzelne gelegentlich klug ist, so selbstverständlich, daß er keiner weiteren Erläuterung bedarf. Lanier und Rushkoff vermuten, daß nur Individuen die richtigen Fragen stellen, Benkler ist sich sicher, daß Moralität und Innovation, Erkenntnis und Kreativität die unverbrüchliche Domäne des Einzelnen bleiben. Wenn jedoch Massen aus Einzelnen bestehen, so sind alle kreativen, intellektuellen, ästhetischen und moralischen Fähigkeiten dieser Einzelnen Teil des Potentials dieser Masse. Wenn es der Masse nicht gelingt, ihr Potential zu nutzen, dann liegt das daran, daß sie falsch organisiert ist - Rauschen, Reibung, soziale Synchronisation und viele andere Phänomene können die Geburt von Wahrheit und Schönheit nicht nur behindern, sondern einen ansonsten dahinschießenden klaren Strom von Ideen in einen stinkenden, seichten Sumpf verwandeln. - Dieselben Elemente, die eine übermenschliche Intelligenz und Kulturkraft, ein kulturelles und intellektuelles Solaris ausmachen könnten, sind in unorganisierten (d.h. bloß zusammengeworfenen und nach sozialem Zusammenhalt oder ökonomischen Kriterien aggregierten) Massen zu einem nekrotischen Wolpertinger verklebt, der zwar mit Macht, aber ohne besondere Gerichtetheit seines Weges oder gar auf der Stelle torkelt. Aber laßt uns nicht vergessen, was perfekt funktionierende Gruppen vermögen! Aus Geistesblitzen können stetige Ströme, aus individuell nicht lebensfähigen Fragmenten komplexe Konstruktionen entstehen, die weit über das Vermögen eines Einzelnen hinausgehen.
Wir haben uns daran gewöhnt, daß Technologieprodukte zu komplex sind, als daß ein Einzelner sie herstellen könnte - eine Computerproduktion, eine Pharmazie, ein Fahrzeugbau die darauf angewiesen wären, daß ein Einzelner alle Bestandteile kontrolliert, wäre primitiv, wenn nicht gar unmöglich, und sie würde sich nur im Zeitlupentempo, über Generationen hinweg entwickeln, so wie einst das Handwerk. Warum glauben wir, unsere Kulturwissenschaften, Philosophien usw. auf die Komplexität, Entwicklungsgeschwindigkeit und Breite eines Handwerksberufs beschränken zu müssen?

...und weide mich auf grüner Aue

Andererseits: Warum erfüllt mich die Entwicklung von kollaborativen Medien hin zum Meta-Geist mit solcher Begeisterung? Ich finde mich beseelt von der Hoffnung, daß die neuen Geister nicht nur intelligenter sein werden als die überwiegende Mehrheit der Individuen im Netz, mich ganz besonders eingeschlossen, sondern daß sie auch weiser und kreativer sein werden. - Was die Kreativität betrifft, so besteht wenig Grund, zu bezweifeln, daß die kombinierten und geschickt zur Interaktion gebrachten Geister von vielen Individuen produktiver sein werden als die Individuen allein, das ist schließlich das Grundprinzip menschlicher Kultur. Das heißt natürlich nicht, daß jede beliebe Konfiguration, in die man Individuen bringt, ein kollektives Geistesblitzen betriebfedert. Und in noch stärkerem Maße gilt das für die über einem Kollaborativitätssystem emergente Urteilskraft - die ethischen Triebkräfte eines Meta-Cortex sind direkte Folge seiner Verdrahtung, genauer, der Art und Weise, in der die Verhaltensweisen der beteiligten Individuen zum Ineinanderwirken gebracht werden.

... Something that will finally afford us, as individuals and a species, a kind of certainty in Time. Something that will bring absolute judgment after all the generations. Something that will relieve each individual of the burden of being good. (Douglas Rushkoff)

Anfänge sind glorios, und jammervoll

Aber spricht nicht gerade der durch medial vernetzte Massenkultur geprägte Verfall von Journalismus, Popmusik, Erzählkino gegen die Idee, daß Kollaboration zu etwas anderem führen kann als zum Sieg des Durchschnitts über die Originalität? - Ich glaube, daß die postpostmoderne Massenkultur nicht daran krankt, daß zuviele sich an ihr aktiv beteiligten und dadurch die Chance auf Optimierung der Resultate in Reibungsverlusten oder Durchschnittsbildung verlorengeht. Diese Kultur ist im Gegenteil der Ausdruck einer gnadenlosen Optimierung, mit dem Ziel einer Maximierung des ökonomischen Potentials durch Verbreiterung der Zielgruppen. Nichts spricht dagegen, daß es auch andere Optimierungsprinzipien geben könnte.

I'm troubled by American Idol and the increasingly pandering New York Times as much as anyone, but I don't blame collaboration or techno-utopianism for their ills. In these cases, we're not watching the rise of some new dangerous form of digital populism, but the replacement of key components of a cultural ecology — music and journalism — by the priorities of consumer capitalism. (Douglas Rushkoff)
Because of cost constraints and organizational and legal adaptations in the last 150 years, our information, knowledge, and cultural production system has taken on an industrial form, to the exclusion of social and peer-production. Britney Spears and American Idol are the apotheosis of that industrial information economy, not of the emerging networked information economy. (Yochai Benkler)

Davon abgesehen: Wikipedias Probleme sind meist nicht das Resultat von Problemen, die sich aus demokratischen Abstimmungsprozessen ergeben. Es ist nicht eine Mehrheit der Wikipedianer, die Lanier zum Filmemacher stempelt, sondern lediglich eines oder ein paar unwissende und sozial unbegabte Individuen tun das. Das Problem der gegenwärtigen Wikipedia-Architektur ist darin bedingt, daß in Konflikten zwischen Standpunkten und Formulierungen kein wirksamer Mediationsmechanismus greift. Aus diesem Grund ist Wipipedia auch kaum dazu geeignet, neue Theorien zu entwickeln: wo letztlich nur das NPOV-Prinzip ("Non-Point-of-View", durch Quellenangaben dokumentierte Objektivität) als Ultima Ratio recht oder schlecht seinen Dienst vertritt, kann über Kreativität, Originalität oder gar Geschmack nicht effektiv gestritten werden, Wikipedia eignet sich bislang im Grunde nur für die stilistisch anspruchslose (und kurze) Widergabe von Sachthemen, über die ein hinreichender Konsens besteht.

The "crowd" does not keep acclaiming Mr. Lanier's skills behind the camera; one or more people do. Even in a healthy financial market, everybody's favorite collective mind, there is plenty of mispricing. (Quentin Hardy)

Das heißt jedoch nicht, daß Wikipedia der letzte Schluß in kollaborativer Interaktion ist - es gibt inzwischen zahlreiche Modelle für Meritokratien (Hierarchische soziale Strukturen, in denen Macht aufgrund durch positiv bewertete inhaltliche Tätigkeit erworbenen Ansehens verliehen wird); Amazon-Reviews, Shop-Bewertungssysteme, selbst die Ebay-Bewertung etablieren ein (meist einfaches, aber effektives) System von Checks und Balances, um Vertrauenswürdigkeit und/oder möglichen Einfluß von Individuen zu bestimmen.

Take a look at any of these online functioning collective intelligences — from eBay to Slashdot — and you'll soon get a sense of who has gained status and influence. And in most cases, these reputations have been won through a process much closer to meritocracy, and through a fairer set of filters, than the ones through which we earn our graduate degrees. (Douglas Rushkoff)

Die neuen Trends digitalisieren historische, soziale und biologische Programme

Wie also müssen die neuen Systemstrukturen aussehen? Vielleicht sollten wir uns diejenigen Organisationsformen anschauen, die wir bereits über Jahrhunderte entwickelt und optimiert haben. Die existierenden Hierarchien von Akademien, Kirchen, Regierungen und Firmen etablieren zahlreiche interessante Prinzipien: Low-Pass-Filter, die allzu rasche, unkoordinierte Fehlschüsse vermeiden und Oszillationen reduzieren, Meritokratien, die Einfluß mit Fähigkeiten korrellieren, Evaluations- und Adaptionsmechanismen. Wir sollten uns auch etablierte Prozesse anschauen: Die Entwicklung einer Szene im Improvisationstheater, das Schreiben eines Buches, die Konzeptualisierung eines Produkts, die Fortentwicklung einer Transportmethode, die Genese einer Wissenschaft. All diese Prozesse wollen so adaptiert werden, daß sie durch vielfach intensivierte Kommunikation und effizientere Repräsentation einem Zeitraffer und einem Komplexitätsschub unterworfen werden können. Und schließlich: Laßt uns betrachten, wie die Entwicklung einer Idee im Geist eines Einzelnen funktioniert, laßt uns untersuchen, gezielter Wissenserwerb, Exploration, Kreativität, Kritik, Integration und Evaluation dazu führen, daß ein Einzelner eine Lösung, eine Geschichte, eine Theorie erfindet. Und dann laßt uns diese Prozesse auf viele Individuen verteilen, indem wir die zuvor interne Kommunikation und Mediation externalisieren.

We do not meander about in the intellectual equivalent of Brownian motion. We cluster around topics we care about. We find people who care about similar issues. We talk. We link. (Yochai Benkler)

Ist Kollaboration immer dezentralisiert? - In den Beispielen, die ich bisher gegeben habe, ist das oft der Fall, aber gelegentlich formieren sich temporäre oder andauernde Zentren. Manchmal haben diese Zentren inhaltliche, manchmal strukturierende Funktionen, gelegentlich bestehen sie aus Individuen, in der Regel aus Gruppen einander organisatorisch verbundener Individuen. Diese Zentren bestehen aber im Allgemeinen nicht aus von vornherein definierten "Gründungsvätern": sie sind nicht von vorherein vorgegeben, sondern entwickeln sich parallel zu den Fragestellungen, und neuen Strategien der Beantwortung dieser Fragestellungen. Die Struktur, z.B. die Kirche oder Universität oder Regierungsform definiert Methoden zur Bildung, zur Fluktuation und zur Erneuerung dieser Zentren - sie ordnet Individuen und Gruppen Rollen zu.

Organisationsprizipien

Die Strukturen des Hiveminds müssen nicht nur Interaktion ermöglichen und Möglichkeiten des Individuums vergrößern - mindestens ebensowichtig ist die Beschränkung störender Dynamiken. Die Entscheidungsstrukturen dürfen nicht durch inhaltsferne Interessen korrumpiert werden, durch disfunktionale Gruppen und Individuen okkupiert werden oder durch allzu starke Reibungsverluste, wie sie aus sozialen Konflikten und Interfaceprobleme entstehen, beeinträchtigt werden.
Vor allem jedoch: Kein Hivemind wird funktionieren, ohne daß die beteiligten Individuen motiviert sind. Die wichtigste Voraussetzung eines aus vielen Einzelnen bestehenden Organisationssystems besteht darin, diesen Einzelnen einen Grund zur Beteiligung zu geben. Für heutige wissens- und kulturorientierte Interaktionssysteme gehören zu den Motivationskriterien die Erhaltung und Anerkennung der Individualität, sichtbare Resultate in Form von Inhalten und natürlich befriedigende soziale Interaktionen. Der Hive-Mind muß das Individuum nähren, so wie ein Hirn seine Neuronen nährt und hätschelt, die Kirche ihre Bischöfe und Schäfchen, die Universität ihre Dozenten und Studenten. Das Individuum muß umgekehrt zur Funktionalität des Meta-Geistes beitragen, oder zumindestens seine Kreise nicht stören.

Klumpenbildung vermeiden

Ein funktionierender Hive-Mind wird ebensowenig einfach eine große Gruppe kommunizierender Individuen sein wie ein Gehirn einfach einen großen Klumpen feuernder Neuronen darstellt. It's the structure, stupid! - Anders ausgedrückt: einerseits muß eine kreative und produktive kollaborative Struktur über ein System von Checks und Balances verfügen, das zu ihrer Organisation/Selbstorganisation führt. Wenn man sich existierende Organisationen anschaut, dann sind ferner die Tendenzen zur temporären oder permanenten Modularisierung fällig - verschiedene Individuen und Gruppen finden mögliche, sorgfältig differenzierte Rollen vor, oder sie schaffen neue, und füllen sie dann aus.
Die Strukturen erfolgreicher Organisationen - Akademien und Kirchen, Verlage und Galerien, Familien, Freundeskreise und Gesellschaften sind sowohl Fessel wie auch Futterkrippe, sie stellen den Sieg der Maschine über das Individuum dar, und sind gleichzeitig die Voraussetzungen für alle Kulturleistungen, die über infantile Individualität hinausgehen, indem sie Mem und Material, Normativität und Nahrung zur Verfügung stellen.

Dienstag, 2. Mai 2006

Meine fremden Augen

Das Grauen des Alters: mein Kopf ist voll. Es fällt mir zunehmend schwer, neue Informationen zu intergrieren. Ich ordne die Welt in den Kategorien, die ich schon habe und kenne. Den Rest vergesse ich...

In ein paar Jahren wird das kein Problem sein. Ich lagere mein Gedächtnis einfach aus. Mein externes Gehirn wird alles, was meine externen Augen sehen, aufzeichnen, interpretieren und zu einem unendlich detaillierten Bild der Welt verweben, das mir jederzeit zur Verfügung steht, wenn ich wissen will, wer nochmal dieser Typ ist, der mich vorhin im Café gegrüßt hat, was die Unterschiede zwischen den Turing-Vollständigkeits-Konzeptionen meiner beiden Logikprofessoren waren und welches der Geldzurückknopf an diesem speziellen Fahrkartenautomaten einer der Tokyoter U-Bahn-Gesellschaften ist. Es wird mir Formulierungen und Schlüsse zur Verfügung stellen, für mich kommunizieren und mich soweit befreien, daß mein Altgehirn zuhause im Bett bleiben kann, während ich in großen Schritten der Singularität zustrebe.

Bis dahin muß ich meine Erinnerungen aber trotzdem irgendwie aufzeichnen. Von Cylonsystems gibt es einstweilen eine praktische Headcam, die 200 Stunden auf einem modifizierten Archos Media Player notiert. Mit zwei Uploads im Monat kann ich mich komplett archivieren. Na dann.

Mittwoch, 29. März 2006

Yah! Antigravitation!

Die bei der ESA-Konferenz vorgestellten Antigravitationsexperimente erinnern sehr an die Gerüchte, die skandinavische Versuche mit rotierenden Supraleiter-Scheiben umrankten (über denen angeblich eine geringer (Erd-?)Gravitation gemessen wurde als anderswo). Inklusive Gravitationsabschirmung.

Wenn jetzt noch jemand die Ergebnisse unabhängig reproduziert...

Übrigens enthält das aktuelle "Spektrum der Wissenschaften" einen interessanten Artikel über die Konsequenzen der Untersuchung der Hawkins-Strahlung (die Strahlung, die aufgrund von Quanteneffekten aus dem Ereignishorizont eines Schwarzen Loches entkommt und deshalb zu dessen allmählicher Verdampfung führen sollte) für eine Theorie der Quantengravitation. Bekanntlich erfordert eine Vereinheitlichung von Quantentheorie und Relativitätstheorie sehr wahrscheinlich eine Aufgabe der Kontinuität der Feldtheorien. Damit geht dann aber möglicherweise die völlige Relativität der Bezugssysteme verloren. Ein absolutes Bezugssystem bedeutet jedoch praktisch die Wiedereinführung der Äthertheorie, oder?

Samstag, 18. März 2006

TiddlyWiki

Wir sind alle Sucher. Nach dem Zeug, das vorhin auf den Küchentisch, letzte Woche ins Regal und letztes Jahr auf die Festplatte gelegt haben, nicht wahr? Und vor allem nach den Ideen, die wir vergessen haben, abzulegen. Tiddlywiki ist ein cleveres, komplett im Browser laufendes Tool zum Festhalten von wikiformen Ideenklümpchen. Besonders nett: das Doppelklick-Edit-Feature... Ob man das in Drupal übernehmen kann?

Freitag, 10. Februar 2006

Lecker Robots, schnuckelige Cyborgs

InfoGargoyle ist eine von diesen Seiten, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen - ein Gadget-Blog der besonderen Art. Hier werden Gerätschaften vorgestellt, mit denen wir uns erweitern können: Roboterteile, Wearables, Bausteine für unseren externen Cortex. Wie wäre es mit einer hübschen kleinen Kamera, die unser gesamtes Leben aufzeichnet, komprimiert, eine GPS-annotierte DVD für jeden Tag? Wenn wir in zehn Jahren anständige semantische Bildverarbeitung haben, können wir auf einen perfekten externalisierten Erinnerungsschatz zugreifen.

Mittwoch, 26. Oktober 2005

MiniPsi Updates...

... kommen demnächst, wenn es ein Gehäuse gibt. Die plötzliche Aufmerksamkeit hat unser kleines bescheidenes Blögglein überwältigt! (4500 Hits auf der Projektseite, und den 14.-längsten Schwanz beim Blogcounter... so much for our fifteen minutes of fame.)

Tips für die Nachbauer und ein paar FAQs: Die Stromversorgung des Mac beruht auf 30 Zellen mit je 1,2V/2500mAh, die zu 18V, 5Ah verschaltet sind. Weitere 10 Zellen treiben die Motoren und den Controller an. Die Befehle schickt der Mac mit einem USB-Serial-Adapter an den Controller. Von da erhält er auch Daten von den Abstandssensoren.
Gegenwärtig fährt der Roboter maximal etwa 80cm/s (richtig genau habe ich es noch nicht gemessen). Die ganze Konstruktion wiegt etwas weniger als 2,5kg.

macminibehind

Samstag, 22. Oktober 2005

Mac Mini Robot

Hier ist unser autonomer Mac-Mini-Roboter! Das Gehäuse ist ein Provisorium, noch trägt er seine Akkus Huckepack, aber das kommt bald in Ordnung.

minipsi2small

MiniPsi - so heißt unser kleiner Freund - orientiert sich mit einer iSight und denkt mit einem MicroPsi-Nodenetz. Drei kräftige Servos drehen einen omnidirektionalen Antrieb - dadurch kann der Roboter sich, ohne seine Ausrichtung verändern zu müssen, in jede Richtung bewegen.

Hier noch ein Bild von den feierlichen ersten Schritten - da bekommt MiniPsi seinen Strom noch durch ein Netzkabel:

minipsifirststepsmall

Auf der Konzeptgrafik kann man erkennen, wie das Gehäuse einmal aussehen wird.

mac0

Update (24. Okt.): Weitere Infos und Bilder gibt es auf der Projektseite (in English). (And yes, we might be doing a kit if there is demand, so keep nagging!)

Surrrrrr!

Donnerstag, 20. Oktober 2005

Mac Mini Mods

Mac Mini mit vielen Kabeln...Als Apple den Mac Mini vorstellte, behauptete his Steveness, es sei eine gute Idee, das gute Stück in die Küche oder sonstwohin zu tragen, weil es ja so klein und kompakt sei. He! - Was ist mit Tastatur, Monitor und nicht zuletzt dem gigantischen Netzteil?

Es überrascht daher nicht, daß die meisten portablen Mac Minis eher in Autos herumgefahren werden als in die Küche getragen. Die Macs passen schließlich in Radiokonsolen; wenn man eine Halterung baut, dann sind sie prima als Bordcomputer geeignet.

Auto-AdapterAls Stromversorgung kommt natürlich die Autobatterie in Frage, wenn man einen Auto-Adapter von 12 auf 18V nimmt, kann man den Mac daran anschließen.

Wegen des exotischen Netzkabelanschlusses der Macs wird üblicherweise das Stromkabel durchtrennt, mit Harddisc-Stromsteckern verbunden und dabei das graue Kontroll-Kabel mit einem 6,8k-Widerstand auf Masse gelegt.
KabelbelegungDas Mac-Netzteil ist auf 85W ausgelegt, der Rechner selbst gibt sich jedoch mit ca. 20W beim Booten und 12W im Idle-Betrieb zufrieden. Eine Stromversorgung über Batterien muß daher so ausgelegt sein, daß sie mehr als 1A liefert, ohne einzuknicken. (Der Mac gibt sich auch mit weniger als 18,5V zufrieden, das Firewire funktioniert dann aber nicht mehr richtig. In unserem ersten Selbstversuch stürzte zunächst die Festplatte ab, der Rechner folgte etwas später.)

Einen ersten Versuch, den Mac Mini intern mit Batterien auszustatten, hat Silas Bennet dokumentiert. Er entfernte das optische Laufwerk und die Festplatte, installierte Linux auf einem MicroDrive und füllte den freigewordenen Platz mit Lithium-Ionen-Akkupacks (20V/4Ah). Solcherart abgespeckt lief sein Mac eine Stunde und fünfzig Minuten.
LiIon-Pacs

Chris Lee und sein R2-G4Chris Lee gebührt die Ehre, einen Mac als Erster in eine R2-Einheit eingebaut zu haben. Der ferngesteuerte R2G4 ist aufwendig konstruiert und hat über 8000 Dollar gekostet. iSight Sein Mac, der über eine iSight in die Welt guckt, wird jedoch nicht zur Steuerung verwendet, sondern für Audio- und Videoaufgaben.

Mac Mini im Roboter Chris versorgt seinen Mac mit einem 12V/7Ah-Bleiakku, der über eine Stunde durchhält. Die 12V Ausgangsspannung werden über einen Carnetix-Trafo auf 18V gebracht.

Oklahoma-RoboterDer erste bekannte Mac-Mini-Roboter stammt von der Universität Oklahoma. Er hat zwar einen Laserscanner, ist aber potthäßlich. Und: eigentlich ist das auch kein Mac-Mini-Roboter, sondern eine funkferngesteuerte Plattform, auf der ein Mac mitfährt. Schmuh! - Aber auf allen Gadget-Blogs gefeatured. Und: Apple hat ihnen den Mac auch noch gesponsort!

Lebensfunktionen

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Novel Dewasa | Cerita...
very interesting article and contain useful information....
novelhot - 28. Jan, 01:26
Very nice blog, it contains...
Very nice blog, it contains lot of informations. Articles...
Cerita Sex (Gast) - 13. Okt, 21:32
Kisah Sex Nyata | Cerita...
Cerita Dewasa, Cerita Sex, Cerita Mesum, Cerita Bokep,...
Cerita Dewasa (Gast) - 13. Okt, 21:28
Prediksi Togel | Bocoran...
Prediksi Togel Hari Ini | Keluaran Angka Jitu | Ramalan...
Togel Hari Ini (Gast) - 13. Okt, 21:23
Ich muss mich gaarder...
Ich muss mich gaarder anschließen in allem. tja... Die...
tzso (Gast) - 11. Aug, 15:14

Suche

 

Ping

Online seit 4266 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 28. Jan, 01:26
iao