Medienpolitik

Donnerstag, 14. September 2006

Thomas Rothschild über Grass und den Nahostkonflikt

Die Aufmerksamkeit des geneigten Lesers sei auf einen Beitrag von Thomas Rothschild im Freitag gerichtet, in dem er einerseits über Doppelmoral bei der Verurteilung/Absolutionserteilung für Günter Grass klagt (und ihn mit Kurt Waldheim vergleicht - nur, der ist eben nicht aufgrund seiner Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle im Faschismus zum Antifaschisten geworden; und wir erinnern uns: der Waldheimskandal bestand nicht darin, dass er in seiner Autobiographie verschüttete Wahrheiten aufgedeckt, sondern dass er darin gelogen hatte). Andererseits schreibt er zum Nahostkonflikt (und das finde ich sehr spannend):

Man kann erwarten, dass ein Demokrat Schandtaten seines Staates, seines Volkes verurteilt, dass er Widerstand dagegen leistet. Oder man kann die Überzeugung teilen, dass es gilt - right or wrong, it´s my country - seine patriotische Pflicht zu erfüllen. (...)

Und es gefiele mir, wenn die Juden auf Grund ihrer leidvollen historischen Erfahrung klüger und menschlicher wären als die übrigen Menschen, wenn sie frei wären von jeglicher Anfälligkeit für Nationalismus und Chauvinismus und unnachsichtig gegenüber Verbrechen des Kollektivs, dem sie, nolens volens, selbst angehören.

Aber die Welt ist nicht eingerichtet, um mir zu gefallen.


Ist Rothschild also ein jüdischer Antisemit, um diese unsägliche Argumentationsfigur zu bemühen? Er sagt:

Man kann sagen, antizionistische Juden seien jüdische Antisemiten, Kronzeugen der Israelfeinde, motiviert von "jüdischem Selbsthass", sie seien Verräter, wie es jene Deutschen und Österreicher waren, die Widerstand gegen die Nationalsozialisten leisteten, aus der Wehrmacht desertierten oder gar in den Armeen der Alliierten gegen ihre Landsleute kämpften. Oder man kann sagen, dass Noam Chomsky, Uri Avnery und einige andere die Ehre und Integrität der Juden gerettet haben wie die deutschen und österreichischen Kämpfer gegen die Nazis die Ehre ihrer Völker. Allzu viele hat es hier wie dort nicht gegeben. Ob das als Argument für den "Patriotismus" und gegen die Menschlichkeit zu gelten habe, muss jeder grundsätzlich für sich entscheiden. Kants kategorischer Imperativ verliert jedenfalls, so oder so, nicht seine normative Kraft. (...)
Ich habe ein Problem, wenn ein gewisser Robert Schindel, der sich einst mit dem mittlerweile rechts außen angekommenen Günter Maschke um die Führerschaft des österreichischen Maoismus balgte, die frühere Solidarisierung mit den unterdrückten Völkern der Dritten Welt inklusive des palästinensischen zu den größten Dummheiten der Linken zählt. Ich habe ein Problem, wenn dieser Schindel keine Worte der Verteidigung für jene libanesischen Kinder findet, die ganz unmetaphorisch von "seinen Leuten" umgebracht werden, wenn er eine flächendeckende Bombardierung im Libanon damit rechtfertigt, dass das Volk dort Führer dulde, die ihre militärische Infrastruktur inmitten der Zivilbevölkerung verstecken. Für Robert Schindel wollen die Führer der Palästinenser die anderen - Israel - vernichten, "die anderen wollen bloß in sicheren Grenzen leben". Die Zahlen der Opfer auf beiden Seiten sprechen für eine andere Asymmetrie. Aber Robert Schindel plädiert gar nicht für Symmetrie. Er hat sich entschieden: für "meine Leute". (...)
Robert Schindel, (...) der, ob es sich um Grass handelt oder um Israel, stets genau weiß, was als gut und was als böse zu gelten hat, ist wieder einmal "angewidert vom Aufstand der Tugendbolde". Denn: "Wenn einmal Deutsche die Tugendwächter spielen, wird es ganz unerträglich." Und die Neger stinken? Und die Juden hauen einen übers Ohr? Oskar Maria Graf, der Ödön von Horváth die Freundschaft kündigte, als dieser um Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer ansuchte, Ossietzky, Günter Gaus, auch Walter Jens, dem Schindel den Erich-Fried-Preis verdankt, und Grass selbst - alle unerträglich? (...)

Ich für meine Person habe mich, was Israel betrifft, entschieden - für den Verrat. Für mich gilt, was keiner so treffend formuliert hat wie Arthur Schnitzler: "Ich fühle mich mit niemandem solidarisch, weil er zufällig derselben Nation, derselben Rasse, derselben Familie angehört wie ich. Es ist ausschließlich meine Sache, mit wem ich mich verwandt zu fühlen wünsche; ich anerkenne keine angeborene Verpflichtung in dieser Frage."

Freitag, 11. August 2006

Darf man über Israels Verantwortung sprechen?

In Spiegel Online äußert Ralph Giordano, dass jeder, der Gaarders Text zustimme, ein Antisemit sei.

Er führt aus, warum er bedingungslose Solidarität mit Israel für geboten hält: zwar sei das Leid der Zivilbevölkerung im Libanon schlimm, doch werde es mehr als aufgewogen durch das Leid, das die Juden im Holocaust erfahren hätten: "Es ist fürchterlich, was da geschieht. Es bricht mir das Herz, wenn ich die täglichen Bilder aus dem Libanon sehe. Aber ich bin ein Zeitzeuge, der weiß, dass so etwas Ähnliches - zwar mit anderen Vorzeichen, aber doch vergleichbar - schon einmal stattgefunden hat - in einem weit größeren Maße. Mir kommt es darauf an zu sagen, wer die eigentlich Verantwortlichen für das Leid sind." Giordano vergleicht dann diese Entlastung des Staates Israel mit der Entlastung der Alliierten von dem Kriegsverbrechen, das z.B. die Bombardierung Dresdens bedeutete. Die Verantwortung für 500000 verbrannte Zivilisten trügen nicht die Alliierten, sondern die Untaten der Nazis. - Diese Äußerung ist im engen Sinne falsch. Natürlich definieren nicht die Nazis, was ein Kriegsverbrechen ist, sondern das Völkerrecht.
Im Kontext der Diskussion in einem Land, in dem viele nur allzugern der Verantwortung für den faschistischen Angriffskrieg, den Holocaust und manches mehr zu entkommen suchten, wäre eine Debatte über angloamerikanische Kriegsverbrechen im zweiten Weltkrieg eine willkommene Chance gewesen, sich selbst Absolution zu erteilen. Es ist daher nicht ungefährlich, die Bombardierung Dresdens ein Kriegsverbrechen zu nennen. Giordano hat auch recht, wenn er feststellt, dass es ohne die Verbrechen der Wehrmacht, z.B. die Vernichtung von Coventry, niemals dazu gekommen wäre.

Es ist nun aber so, dass ein Verbrechen das andere nicht verschwinden macht. Die 500000 verbrannten Zivilisten der Bombennächte werden durch die 50 Millionen, die der von Deutschland angezettelte zweite Weltkrieg forderte, nicht aufgewogen, und andererseits entlasten sie Deutschland kein bißchen von seiner Schuld. Die Welt handelt aber nicht von "den Deutschen", "den Juden", "den Alliierten". Sie handelt von lauter Menschen, von lauter einzelnen Schicksalen, von lauter individuellen Entscheidungen und Verantwortlichkeiten und ganz individuellem Leid.

In der Antisemitismusdebatte neigen die Anti-Antisemiten oft zur Vereinfachung, weil sie angesichts des tatsächlich vorhandenen Antisemitismus besorgt sind, dass Differenzierung den Antisemiten Zulauf bringt. Giordano spricht davon, dass 18% der Deutschen keinen Juden als Nachbarn wollten und meint daher, es sei nicht hilfreich, die Kriegsverbrechen Israels auch laut solche zu nennen.

Andererseits können wir auch fragen, wieviele Deutsche keine Araber oder Vietnamesen oder Russen als Nachbarn wollen, jeweils einen höheren Prozentsatz ermitteln und eingestehen, dass da draussen halt viel Volk herumläuft mit dem der Diskurs nicht lohnt.

Ich kann verstehen, dass Ralph Giordano aufgrund der Erfahrungen seines Lebens die Gefahr von Antisemitismus als höher einschätzt als den Wert, den der Diskurs haben könnte. Giordano steht damit nicht allein: als Möllemann Sharon und Friedmann vorwarf, durch das Begehen und die Verteidigung von Kriegsverbrechen den Antisemitismus zu befördern, wurde er scharf angegriffen. Lambsdorff erklärte seinerzeit, es sei unerträglich, wenn "die Juden" für den Antisemitismus verantwortlich gemacht würden. Das ist natürlich eine grobe Vereinfachung. Wenn es zum Beispiel so ist, dass der Bund der Vertriebenen in Polen antideutsche Ressentiments befördert, also Deutsche für Haß auf Deutsche verantwortlich sein können, dann gebietet die Logik, dass es auch für Juden möglich sein muss, den Antisemitismus zu befördern. Zudem hat Möllemann ja ausdrücklich nie "die Juden" für "jüdische Untaten" verantwortlich gemacht, sondern bestimmte Juden für bestimmte Untaten.

Ich stimme Ralph Giordano zu, dass die Beförderung des Antisemitismus schlecht ist, und dass eine Diskussion der Verantwortung Israels für Verstöße gegen internationales Recht und humanitäre Grundsätze Antisemiten bestärken wird.
Aber im Unterschied zu ihm glaube ich nicht, dass Antisemitismus bekämpft werden kann, indem man die Diskussion nicht führt.
Das Gegenteil von Antisemitismus ist nicht Anti-Arabismus (viele Antisemiten hassen auch die Araber), das Gegenteil ist Humanismus.
Die Öffentlichkeit nimmt die israelischen Kriegsverbrechen im Libanon als solche wahr. Der Versuch, die Kritik z.B. der des Judenhasses gänzlich unverdächtigen Heidemarie Wieczorek-Zeul als antisemitisch zu verteufeln, wird niemanden von der Rechtmäßigkeit der israelischen Vorgehensweise überzeugen können, der sie in Zweifel zieht. Im Gegenteil, die voreilige Verurteilung der Ministerin wird Empörung auslösen, und dadurch antisemitische Ressentiments bestärken.

Selbstverständlich können Verbrechen, die von Juden begangen werden, den Antisemitismus befördern, weil sie das Ansehen der Juden in den Augen derjeniger, die nicht nach der individuellen Verantwortung suchen, beschädigen. Aber der Antisemitismus läßt sich nur dann bekämpfen, wenn es möglich ist, die Verantwortung für einzelne Taten denjenigen Menschen zuzuordnen, die sie begehen, das heißt, wenn Juden nicht in Sippenhaft genommen werden für die Taten anderer, wenn unterschieden werden kann zwischen Sharon und Rabin, Friedman und Gysi, Wolfowitz und Chomsky, und dreizehn Millionen anderer jüdischer Menschen auf der Welt, 4,9 Millionen davon in Israel.

Mittwoch, 12. April 2006

Klassenkampf in der International Herald Tribune

Die International Herald Tribune vom Wochenende informiert uns auf der Titelseite über die Ursache des französischen Problems: die Franzosen haben keine Ahnung von Wirtschaft, bzw., wie es der französische Finanzminister Breton ausdrückt: es herrscht "ein Mangel an ökonomischer Kultur." Auf Seite fünf, im Beitrag "Economics, French-style: Looking behind the jobs rebellion" erfahren wir dann von Katrin Bennhold die beklagenswerten Details:
- Nur 36 Prozent der Franzosen haben erkannt, daß der Neoliberalismus das segensreichste aller Wirtschaftssysteme darstellt (zum Vergleich: meine Landsleute sehen das zu 65 Prozent so, die Amerikaner sogar zu 71 Prozent)!

Woran liegt das? Lernen die Franzosen nix in der Schule? - Doch, wie nirgendwo sonst scheinen sie an Ökonomie interessiert, aber sie lernen das Falsche, findet Frau Bennhold: Das letzte Schuljahr bietet z.B. folgende Schwerpunkte:
- Wachstum, Kapital und technischer Fortschritt
- Arbeit und Beschäftigung
- Soziale Stratifikation und Ungleichheit
- Konflikte und soziale Mobilisierung
- Integration und Solidarität
- Globalisierung
- Europäische Integration und Wirtschafts- und Sozialpolitik
Offenbar ist diese Schwerpunktsetzung völlig indiskutabel, wenn man aus den Franzosen brave Neoliberale machen will. Aber es kommt noch schlimmer: da schreibt doch tatsächlich eines der Lehrbücher: "Löhne stellen eine Kaufkraftgrundlage dar, die man nicht kürzen kann, ohne daß eine deflationäre Spirale und steigende Arbeitslosigkeit die Folge sind," ein anderes gar: "Gibt es noch immer genügend Arbeitsplätze für jeden?" und empfiehlt staatliche Subventionen im öffentlichen Sektor, da die Wirtschaftskraft dafür ausreiche.
Da packt Frau Bennbold das kalte Entsetzen - aber was will man auch erwarten in einem Land, in dem Mitterand das Renteneintrittsalter abgesenkt und Jospin die 35-Stunden-Woche eingeführt hat - hier können nur massive Umerziehung der Schüler und Gehirnwäsche der Lehrer helfen, findet sie. Zum Glück hat Frankreich solch ein Konzept aufgelegt: Der Finanzminister hat einen 15 Mitglieder starken Rat für die Neuorganisation der Lehre geplant, und das französische Gegenstück zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, das wirtschafts-finanzierte "Enterprise Institute" hat sich der Umerziehung der Lehrer verschrieben, die nun nach und nach durch Workshops und Internships rotiert werden. Und um die Umerziehung der Nation abzurunden, hat das "Enterprise Institute" einminütige Fernsehspots geplant, die pünktlich vor den Abendnachrichten Ordnung in die Köpfe bringen.
Dann klappt's vielleicht endlich mit der ökonomischen Kultur.

Donnerstag, 9. Februar 2006

SpOn schlägt wieder zu...

SpOn-Rechtsaußengurke Claus Christian Malzahn möchte die arabischen Länder von den Fußfesseln ihrer rückständigen Religion befreien, damit sie endlich so frei und glücklich werden wie Bushs Amerika. Stralau weist auf das gesetzlich verbriefte Recht von Moslems hin, nicht wegen ihrer Religion beleidigt zu werden (wie das durch die Gleichsetzung von Mohammed mit einem Bombenträger wohl geschieht).

"Sind Muslime empfindlicher als Christen oder Juden?" fragt Malzahn, und verkennt dabei, daß Moslems in Deutschland und Dänemark anders als Christen (die meist nicht sonderlich religiös sind) eine Minderheit darstellen, ihre pauschale Diskriminierung als Antidemokraten und Bombenanbeter jedoch getrost als Mehrheitsmeinung gelten darf. Karikaturen, die diese Mehrheitsmeinung wiedergeben, verteidigen kaum die Meinungsfreiheit, sondern haben in den Augen vieler Moslems einen ähnlichen Status wie antisemitische Zerrkarikaturen, die einst das Klima für die Judenverfolgung bereiten halfen. Selbstverständlich und nachvollziehbarerweise reagieren viele Juden in Deutschland, Amerika und Israel sehr empfindlich auf anti-jüdische Zerr-Karikaturen. Aufklärungs-Christ Malzahn sollte vorsichtig mit seiner Vereinnahmung von Juden sein.

Gleich Malzahn bin ich sehr für Aufklärung (also das Primat der Vernunft im Rahmen von "sozialromantischen" Werten der Moderne - darum ging es ja bei der Aufklärung) als Richtschnur von Politik und gesellschaftlicher Moral - aber anders als er sehe ich Grund zum Zweifel, daß Bushs Regierung einer Philosophie der Aufklärung nahesteht - das Project for a New American Century, das die neokonservative Ideologie seines Kabinetts schmiedete, enstammt einer explizit anti-aufklärerischen, politisch dem Faschismus (nicht dem Nationalsozialismus) nahestehenden Tradition. Malzahn vergißt auch allzugern, daß die interventionistischen Heilsbringer aus Washington, die er gern anstelle appeasementsüchtiger Berliner und Pariser in "der arabischen und islamischen Welt" für politischen und religiösen Pluralismus sorgen sähe, in der Vergangenheit das Gegenteil taten, indem sie der Taliban in Afghanistan und den Schah in Persien an die Macht verhalfen.

Dienstag, 7. Februar 2006

Der vortreffliche Gernhardt sagt...

Von den Geräten

Und der HErr sprach mit Gernhardt und sprach also zu ihm: Rede mit Deinen Leuten, aber schön ruhig, und sprich: Das sind die Gebote, die der HErr gibt für alles, was Knöpfe hat und Lärm erzeugt:
Ihr sollt bei der Aufstellung Eurer Hifi-Anlagen für eine gute Dämmung sorgen.
Ihr sollt nicht am Lautsprecher sparen, auf daß ihr eure Anlage schön leise stellen könnt.
Ihr sollt sie nie lauter aufdrehen, als ihr eure Stimme erheben könntet.
Ihr sollt keine Radios mit euch tragen, so ihr den Fuß aus dem Hause setzt.
Ihr sollt keinen Walkman in Bahnen und Zügen benutzen, denn siehe: Der Walkman ist ein Blendwerk des Satans, zu verwirren die Sinne des Menschen, auf daß er glaube, er könne seinen Kopf mit Musik vollknallen, ohne daß sein Nächster davon höre.
Ich aber sage Euch: Und ob der was mithört!
Du sollst nicht tönen.
Macht euch nicht selbst zum Greuel an dem kleinen Gerät, das wummert, zirpt und dudelt, und macht Euch nicht unrein an ihm, so daß ihr dadurch nicht unrein werdet.
Diese sollen euch in Bahnen und Bussen ebenfalls unrein sein unter den Piepsgeräten, welche Knöpfe haben udn die man in die Tasche stecken kann: das Computerspiel, das Handy und der Laptop. Denn alles, was ihr Pieps beschallt, das wird unrein. Und alles Gerät, das gepiepst hat, soll man ins Wasser tun, es ist unrein bis zum Abend und danach unbrauchbar. In euren Wohnungen aber sollen diese Geräte nicht unrein sein.

Ersatzleistungen
Entsteht durch Lärm ein dauernder Schaden, so sollst du geben Lärmen um Lärmen, Ohr um Ohr, Ton um Ton, Krach um Krach. Wer aber fortfährt zu lärmen, der soll des Todes sterben, und seine Lärmquelle soll man steinigen.
Das ist das Elfte Gebot, das der HErr dem Gernhardt gebot für alles Volk auf dem Feldberg.

Gehet nun hin und folget dem Worte des Gernhardt, und kauft seine Bücher.

Mittwoch, 14. Dezember 2005

Jenseits des "Pro-Amerikanismus"

Gott ist gut. Gott ist groß. Gott ist gut. Mein Gott ist gut. Bin Ladens Gott ist böse. Er ist ein böser Gott. Saddams Gott war böse, wenn er einen gehabt hätte. Er war ein Barbar. Wir sind keine Barbaren. Wir hacken Menschen nicht den Kopf ab. Wir glauben an die Freiheit. So wie Gott. Ich bin kein Barbar. Ich bin der demokratisch gewählte Anführer einer freiheitsliebenden Demokratie. Wir sind eine barmherzige Gesellschaft. Wir gewähren einen barmherzigen Tod auf dem elektrischen Stuhl und durch barmherzige Todesspritzen. Wir sind eine große Nation. Ich bin kein Diktator. Er ist einer. Ich bin kein Barbar. Er ist einer. Und er auch. Die alle da. Ich besitze moralische Autorität. Seht ihr diese Faust? Das ist meine moralische Autorität. Und vergesst das bloß nicht.

Harold Pinters ausgezeichnete Nobel-Vorlesung sollte man lesen. Sie tut das, was ein guter politisch-literarischer Text tun sollte - sie fokussiert.

Dienstag, 6. Dezember 2005

He did it again - der Schmierfink sponnt wieder.

Der Bildzeitungsimport Gebauer darf wieder auf SpiegelOnline sülzen und erleidet dabei einen Ideologiekollaps: "Die dunkle Seite des Antiamerikaners":
Distanzierte Empörung über die Praktiken der Bush-Regierung im Anti-Terror-Kampf gehörte für den abgewählten Bundeskanzler in seinen besten Zeiten zur obersten Genossenpflicht.
Damit hat Gebauer den im Titel behaupteten Antiamerikanismus von Gerhard "bedingungslose Solidarität" Schröder belegt - weitere Hinweise auf antiamerikanische Schurkerei des bekanntlich (und aus Gebauers Sicht unverzeihlicherweise) im Irakkrieg abstinent Gebliebenen bleibt man uns schuldig. Vielmehr möchte man uns über pro-amerikanische Schurkerei informieren (denn natürlich wußte das Kanzleramt darüber Bescheid, daß für die Verschiffung von Terrorverdächtigen im Zuge des Verschwindenlassungsprogramms der Amerikaner auch der deutscher Luftraum genutzt wurde). Ja was denn nun? Ist Schröder ein fieser Antiamerikaner, der heimlich proamerikanische Schandtaten beging, oder umgekehrt?
Für richtigen Politik-Journalismus ist Spon bekanntlich zu unprofessionell (für mehr als durch unverholene Meinungsmache verzerrte Tickermeldungen reicht es meist nicht), aber ein bißchen Lektorat würde es viel wirkungsvoller gestalten! Menno.

Die Demokratisierung der Überwachung

Der Autor dieser Zeilen ist geneigt, zu glauben, daß das Private (und sei es nur der nächtliche Spaziergang über den Marktplatz) frei von Observation bleiben sollte, solange nicht dringende Tatverdächtigungen polizeiliche Beobachtung rechtfertigen. Und in diesem Falle sollte die Maßnahme nach ihrer (zum Fahndungserfolg führenden oder eben auch nicht) Beendigung öffentlich dokumentiert werden, um die Beobachter auf diese Weise zur Rechtfertigung ihres Eingriffs zu zwingen.

Viele Leute sehen das nicht so. London ist berüchtigt als Hauptstadt der Videoüberwachung, in den USA finden sich Kameras in den Toilettenräumen von Supermärkten, und in auch Berlin werden einzelne Plätze sowie öffentliche Verkehrsmittel videoverwanzt.
Eine Angestellte in einem der besagten amerikanischen Supermärkte erklärte mir das Dilemma: Ja, natürlich sei es unwürdig, sich unter den Augen von Sicherheitspersonal durch die Bedürfnishallen zu bewegen. Andererseits - es sei unvorstellbar, was die Leute im Schutze der Anonymität vor der Installation der Überwachungstechnik in diesen Räumen getan und hinterlassen hätten.

Warum man Überwachung ablehnt, ist klar: zwielichtige, mir nicht rechenschaftspflichtige Individuen erhalten an zentraler Stelle Informationen über mich und andere, die sie dann für dunkle Zwecke verwenden können. Ich halte ja sogar sorgfältig gewählte und ausgeleuchtete Volksvertreter für korrupt - um wieviel weniger vermag ich anonymen, vielleicht sogar imbezilen Schergen zu trauen! - Andererseits führt soziale Segregation - der unaufhaltbare große Trend der Zeit - zusammen mit Anonymität zu den von der Verkäuferin beklagten Exzessen. Die Videokamera ersetzt gewissermaßen den aufmerksamen Blick der Großfamilienangehörigen, die uns in den Städten verlorengegangen sind. Big Brother ist immer für mich da.

Die Frage ist also möglicherweise nicht, ob man Überwachung ablehnt oder nicht, sondern wie man mit ihr umgeht. Der Deus-Ex-Programmierer Sheldon Pacotti argumentiert, daß wir allenfalls die Wahl zwischen einer offenen, für jedermann zugänglichen, und einer geheimen, durch mehr oder minder nebulöse Kanäle vorgenommenen Überwachung hätten. Dementsprechend sollte jede öffentliche Überwachungsmaßnahme gleichzeitig erfordern, daß der Inhalt der Überwachung sowie die daraus abstrahierten Daten public domain sind. Jede Kamera in der U-Bahn sei eine Web-Cam - Mama kann ihren scratchenden Sohn dann life beobachten und ihm die Hammelbeine lang ziehen, wenn er nach Hause kommt. Und ebenso im Bereich der Verwaltung und Wirtschaftskriminalität: Jede Akte, die nicht aus wichtigen und nachvollziehbaren Gründen geheim ist, muß öffentlich lesbar sein. Nicht irgendwann, sondern sofort, z.B. durch die Speicherung und Bearbeitung in allgemein zugänglichen Netzen. Akten öffentlicher Verwaltung ebenso wie die E-Mails und Bibliotheksausweise arabischer Studenten. Wir sind doch schließlich alle eine große Familie, oder?

Transparente Überwachung bedeutet leider nicht nur, daß die Dunkelmänner auf dunkle Weise mehr über uns wissen, als wir wollen, sondern es bedeutet, das alle mehr über uns wissen, als wir wollen. Natürlich ist es nicht schön, wenn der Geheimdienst und ein, zwei Großunternehmen sowie vielleicht ein Systemadministrator heimlich meine E-Mails abgreifen. Aber ist es besser, wenn alle, die das wollen, in meiner Inbox stöbern?

Freitag, 25. November 2005

www.duemmsteinternetadressederweltistjetztgefundenmava.de

www.WieMenschlichMenschenSindZeigtIhrUmgangMitDerMutterspracheFrsch.de. Unglaublich.

Donnerstag, 17. November 2005

Pamela Anderson doch keine Jungfrau mehr?

Mit Verwunderung und Unglauben reagiert Spiegel Online auf das Eingeständnis der Amerikaner und Briten, in Falludja nun doch Brandmunition gegen menschliche Ziele eingesetzt zu haben. Der Beitrag, der erstaunlicherweise in der Wissenschaftsrubrik (nicht im Politikressort) gelandet ist, erwähnt die Bilder verbrannter Zivilisten aus Falludja und überschlägt sich dabei mit "sollen"- und "angeblich"-Formulierungen:

Seit Wochen kursieren im Internet Bilder aus dem Irak, die angebliche Opfer amerikanischer Brandwaffen zeigen: Grässlich verstümmelte und verkohlte Leichen mit grotesk verzerrten Gesichtern sollen beweisen, dass die US-Armee bei den Kämpfen um die irakische Stadt Falludscha im November 2004 weißen Phosphor und eine neues, Napalm-ähnliches Brandmittel eingesetzt haben soll.

Nun geben die Amerikaner das auch zu (wie im gleichen Beitrag zu lesen ist). Spiegel Online ist aber noch nicht so ganz überzeugt und fährt fort:

...das Fleisch verbrennt bis auf die Knochen. Die Kleidung bleibt oft unversehrt - was den schrecklichen Bildern der angeblichen Phosphor-Opfer aus Falludscha ihre Beweiskraft geben soll, denn sie zeigen verkohlte Menschen mit oft intakter Kleidung.

Ganz abgesehen davon, daß Spiegel Online mit keinem Wort erwähnt, daß es sich bei den Opfern oftmals um Zivilisten handelt (Melting the Skin Off of Children) - und der Einsatz gegen zivile Ziele definitiv illegal ist, kann sich Autor Markus Becker offenbar vorstellen, daß finstere Gesellen Kinderleichen verkokeln und bekleiden, um die braven Koalitionstruppen zu diskreditieren.

Dabei ist die ganze Angelegenheit überhaupt nicht neu oder unbekannt. Bereits im April 2004 war aus Beträgen von embedded Journalists zu erfahren, daß Phosphormunition als Teil regulärer Angriffe in Stadtgebiete gefeuert wurde, z.B. in der NC-Times. Insofern ist die Aufregung um den Einsatz von Brandwaffen, die sich an einem Beitrag des italienischen Fernsehens aus der letzten Woche (mit Interviews amerikanischer Soldaten) entzündete, völlig unverständlich.

Leben unsere Journalisten hinterm Mond? -
Amerika hat seine Unschuld verloren, klagt der Tagesschaukommentar von Georg Schwarte. Man muß vermuten, daß in den letzten fünfzig Jahren so einiges an ihm vorbeigegangen ist...

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